Fragestellung
Kann ein nationales Hypothermieregister die Versorgung von Neugeborenen mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie (HIE) in Deutschland standardisieren und die diagnostische sowie therapeutische Sicherheit behandelnder Ärztinnen und Ärzte verbessern?
Methode
Bundesweite webbasierte Befragungsstudie im Rahmen des Deutschen Hypothermieregisters.
Zwei Befragungszeiträume:
2022 (Beginn des Registers)
2025 (nach 3 Jahren Registerarbeit)
Teilnehmer:
Ärztinnen und Ärzte aus neonatologischen Intensivstationen in Deutschland.
Erfasste Bereiche:
– Sicherheit bei Diagnosestellung der HIE
– Sicherheit bei Durchführung der therapeutischen Hypothermie
– neurologische Untersuchung
– Interpretation des aEEG
– Kommunikation mit Eltern
– Bedarf an standardisierten Protokollen und Schulungen
Ergebnisse
Das Deutsche Hypothermieregister führte zu einer deutlichen Verbesserung der diagnostischen und therapeutischen Sicherheit.
Diagnosesicherheit für HIE:
42,4 % → 80,0 %
Sicherheit bei Durchführung der Hypothermie:
53,0 % → 86,7 %
Klarheit bezüglich der Einschlusskriterien für die Hypothermie:
100 % Zustimmung in der Langzeitgruppe
Große Zustimmung zu:
– nationalen Standards
– standardisierten SOPs
– einheitlichen Empfehlungen
– strukturierten Informationsmaterialien für Eltern
Weiterhin bestehende Herausforderungen:
– neurologische Untersuchung
– Interpretation des aEEG
– klinische Einschätzung am Patientenbett
Das Register wuchs innerhalb von 3 Jahren von 10 auf 80 neonatologische Intensivstationen in Deutschland.
Fazit
Das Deutsche Hypothermieregister verbessert die Standardisierung der Versorgung sowie die Sicherheit behandelnder Ärztinnen und Ärzte bei der Betreuung von Neugeborenen mit HIE.
Trotz dieser Fortschritte bleiben insbesondere die neurologische Untersuchung und die Interpretation des aEEG wichtige Herausforderungen und zentrale Ziele zukünftiger Schulungs- und Fortbildungsmaßnahmen.
Bedeutung für die Praxis
Seltene Krankheitsbilder wie die HIE profitieren besonders von:
– nationalen Netzwerken
– standardisierten Protokollen
– regelmäßigen Schulungen
– strukturierter Datenerfassung
– interdisziplinärem Austausch
Das Deutsche Hypothermieregister kann dazu beitragen:
– die Versorgungsqualität bundesweit zu harmonisieren
– die Sicherheit behandelnder Teams zu erhöhen
– Forschung und Qualitätsverbesserung zu fördern
– langfristig die Versorgung betroffener Kinder weiter zu verbessern